Meine Aufschieberitis und wie ich ins Handeln komme

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Das Blatt ist leer. Schon eine ganze Weile sitze ich davor. Wie viel Zeit habe ich schon verloren? Meine Aufschieberitis plagt mich und ich überlege, wie ich ins Handeln komme. Was soll ich tun?

Kennst du das? Warum ist das so? Wie kann ich aus dieser Situation herauskommen?

Ich will ja gern Punkt A (aktuelle Situation) hinter mir lassen und zu Punkt B kommen (Wunsch-Zustand). Nun stehen dem aber noch ein paar Dinge im Weg.

Heute zeige ich dir, wie ich mich selbst immer wieder von meiner Prokrastination befreie.

Von A nach B

Man ist niemals ein Verlierer – bis man aufgibt.

Mike Ditka

Wir beide wissen es: Zwischen Wunsch und Realität liegt ein ganzes Stück Weg. Das ist wie bei einem Auto. Man sitzt schon drin und will ans Ziel zu kommen. Von selbst passiert aber nichts. Ich muss im Navi eingeben, wohin ich will und dann wirklich fahren. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

Und da bin ich wieder. Mache nichts. Im Moment ist es gar nicht so schlimm. Es gibt keine Bedrohung des Lebens, die mit meinem (Nicht-) Tun verbunden ist. und auch keine sonstige direkte, drastische Folge. Und andererseits geht es mir so gut, dass ich keinen so richtigen Anlasse habe mich zu bewegen.

Oder doch? Wohin führt mich das? Bin ich bereit die Konsequenzen zu tragen in 20 Jahren? Wahrscheinlich würde es anders aussehen, wenn ein Tiger hinter mir her ist oder mein Konto leer ist oder beides. Dann würde ich ums nackte Überleben kämpfen. Aber so? 20 Jahre sind doch lange. Also die Hände wieder in den Schoß legen?

Das Unbehagen bleibt. Ich esse etwas, weil ich weiß, dass irgendwie was nicht in Ordnung ist. Der Kopf stoppt nicht.

Kann ich also diesen Handlungs-Anlass irgendwie erzeugen? Wahrscheinlich schon. Ich muss aber aufstehen.

Soll ich mich fragen, was mein zukünftiges Selbst zu mir sagen wird, wenn ich jetzt nicht endlich aktiv werde? Soll ich mir klar ausmalen, dass ich dann wieder fremdbestimmt schuften gehe und unglücklich bin, weil meine Träume nie in Erfüllung gehen würden? Bin ich dann krank, unglücklich, arm oder einsam? Vielleicht sogar mehrere Dinge davon?

Zwei Auslöser

Erfolg hat drei Buchstaben: Tun.

unbekannt

Wie kann ich nun vorgehen, wenn ich bereit bin alles notwendige zu machen?

Es braucht zwei Schalter für mich. Sie müssen in Reihe geschaltet sein.

Nr. 1: Ich male mir klar aus welche unerwünschten Folgen mein aktuelles Handeln hat, wenn ich die nächsten x Jahre so weiter mache. Wie unglücklich werde ich sein? Werde ich davon krank? Wie frustriert bin ich, wenn ich mich nie selbst verwirklicht habe, obwohl ich doch die Chance dazu hatte?

Nr. 2: Mit dem Horror-Szenario vor Augen mache ich heute den nächsten, vermutlich effektivsten, besten Schritt in Richtung meines gewünschten Ziels. Jetzt fällt mir das nicht mehr (so) schwer und ich nehme einfach allen meinen Mut zusammen. Schmerz oder eben dessen Vermeidung treibt mich an.

Ich mache es ganz plastisch. Vielleicht bin ich dann körperlich nicht besonders fit oder sogar schon viel weiter am Limit. Ich habe früher zum Beispiel viel geraucht. Man merkt ja, dass es einem nicht gut tut. Und trotzdem macht man es. Nur fallen wir halt nicht gleich bei der ersten Kippe um.

Aber irgendwas hat dann mal Klick gemacht. Das war genau so ein Schreckens-Bild. Dann habe ich aufgehört. Es war deswegen nicht super easy es aufzugeben, aber ich bin dabei geblieben.Auch die Rückschläge haben mich nicht mehr aus der Bahn geworfen.

Die softe Tour

Der Mensch ist kein Mensch, wenn er aufgibt zu kämpfen.

unbekannt

Aber man muss sich ja nicht unbedingt fast zu Tode erschrecken. Auch auf die sanfte, psychologisch indirekte Art kannst du dich selbst zum Handeln bringen.

Was ich damit meine? Lass mich dir 2 Beispiele geben.

Eins: Bevor ich etwas gar nicht mache, kann ich mich entschließen es schlecht zu tun. Was ist der Hintergrund? Zwei Dinge: Zum einen schickst du damit den vorhandenen Drang zum Perfektionismus zum Teufel und es wird meist trotzdem ziemlich gut. So wie bei allen Dingen gilt nämlich auch hier: 80% sind ziemlich gut und reichen (meist) aus.

Zwei: Mit ein wenig Geduld kann ich auch nette Anlässe finden, um beliebige Dinge zu starten. Man experimentiert einfach ein wenig. So hat sich für mich ergeben, dass ich ganz gut mit Schreib-Aufforderungen (writing prompts) in den Fluss komme. Das ist quasi einfach eine Frage, die den Fluss der Worte auslösen soll.

KIT-MAN

Der König kann mich töten, aber er kann mich nicht zwingen.

spanisches Sprichwort

Aber vielleicht habe ich noch etwas wesentliches übersehen. Mein Warum. Ich nenne das KIT-MAN.

Damit meine ich keinen Bausatz, um sich einen Mann zusammenzubauen. Als ich vor kurzen über mein fehlendes Handeln haderte, fiel mir auf, dass es in diesem Moment eine andere Ursache hatte. Nicht das Ziel oder die Motivation fehlten mir.

Nein, mir kreisten einfach Unmengen von Aufgaben durch den Kopf, die ich noch erledigen „musste“.

Da habe ich sie alle wie wild an eine Tafel geschrieben. Die Mitte lies ich frei. Ich wusste da findet sich etwas. Das war KIT-MAN. Was bedeutet das? Kann Ich Tun – Muss Aber Nicht!

KIT-MAN = kann ich tun - muss aber nicht
KIT-MAN = kann ich tun – muss aber nicht

Das ist das, was ich in diesem Moment zu mir selbst gesagt habe. Was meine ich damit? Nun, ich hatte eine lange Liste von Aufgaben in diesem Moment und der Berg schien mich förmlich zu erdrücken. Eine große Last, weil ich dachte, ich müsste alles tun. Aber muss ich das wirklich?

Genau: Ich dachte nur ich müsste das. Aber ich kann es. Oder darf. Wirklich alles meine freie Entscheidung.

Also keine ToDo-Listen mehr. Denn die implizieren zu sehr, dass das alles zu tun (= to do) ist.

Jetzt sagst du vielleicht: Ja, aber bei mir ist das nicht so. Ich muss dieses und jenes einfach tun. Wenn ich das nicht mache, dann … (hier kommt irgendeine Begründung).

Du musst nichts

If something is not a „hell, YEAH!“, then it’s a „no!”

James Altucher

Aber warte mal. Betrachten wir es aus einer anderen Perspektive: Stirbst du deswegen? Nehmen andere Menschen deswegen direkt körperlichen oder psychischen Schaden? In 99,9% der Fälle wird die Antwort nein sein. Damit ist das muss kein muss, sondern ein kann. Wie bei mir.

Ich habe also immer die Wahl. Nur sterben muss ich irgendwann. Darum kann ich mich nicht drücken. Also will ich bis dahin noch ein paar Dinge in die Tat umsetzen. Aber eben nur die, die wirklich für mich wichtig sind und eine größere Bedeutung haben.

Hast du es gemerkt? Es ist will, darf und kann. Müssen tue ich nicht. Alles ist nur ein Pseudo-Muss. Jemand hat es uns lange genug eingeredet. Bis wir geglaubt haben, dass es ohne das gar nicht geht.

Das heißt also: Du kannst im Leben wirklich alles in Frage stellen.

Allem voran die Dinge, die von außen kommen, auf uns einströmen wie ein unablässiger Wasserfall. Mache einfach ein paar Schritte zur Seite. Dann stehst du neben dem herab prasselndem Ungetüm an Tun-Müssen.

Stopp den Wasserfall

Wir können von der Strömung mitgerissen werden. Oder wir können am Ufer sitzen und beobachten.

chinesisches Sprichwort

Stell dir mal folgende Szene vor: Du stehst direkt unter einem starken Wasserfall. Wie ist das wohl?

Fühlt es sich leicht an oder eher sehr schwer, wenn jeden Moment immense Mengen Wasser auf deinen Kopf, deine Schultern und deinen Rücken prasseln?

Hast du ein Lächeln auf den Lippen oder eine angespannte Haltung?

Ist es für dich klar und ruhig oder laut und verschwommen?

Jetzt machst du ein paar Schritte zur Seite. Du stehst neben dem Wasserfall.

Die ganze Last ist weg.

Du kannst dich lang machen und den Kopf heben. Du betrachtest es jetzt von außen und fühlst dich nicht mehr, als würde es dich jeden Moment fortreißen.

Wie kann ich ins Handeln kommen?

Wissen ist nicht Macht. Es ist nur potenzielle Macht. Handeln ist Macht.

Tony Robbins

Nachrichten abschalten.

Soziale Medien stark reduzieren.

Mein Mentor nannte das mal strategische Ignoranz.

Die Augen, Ohren und sonstigen Wahrnehmungen schließen, um dich nicht zerreißen zu lassen.

Vor vielen Jahren hat mein Fernseher mir den Gefallen getan kaputt zu gehen. Ich habe zwar jetzt einen zu Hause, aber dort sehe ich mir nur selektiv Filme an, die ich vorher aussuche.

Sicher gibt es noch eine ganze Menge anderer Dinge zu denen du explizit nein sagen kannst. Damit schaffst du Platz für einen neuen Schritt. Welchen?

Wende dich nach innen

Wer sucht, der findet.

Bibel

Heute haben wir alles Wissen der Welt verfügbar über Geräte, die die meisten von uns sehr viele Stunden am Tag in der Hand halten.

Aber ist dir schon mal aufgefallen, wie reaktiv viele Menschen trotz allem sind?

Da wird etwas gezeigt, geteilt, zum Trend gemacht und blitzschnell machen es tausende Menschen nach. Ist das wirklich dein Ziel?

Wenn du mutig bist und den ganzen Unsinn weglässt wirst du sehen: Dir stehen einige Stunden mehr am Tag zur Verfügung. Nutze sie und wende dich nach innen. Damit entwickelst du dich weiter.

Erinnerst du dich an meine Eingangsfragen oben? Ich hatte etwas Motivation ein bestimmtes Ziel zu erreichen, aber andererseits wollte ich mich kein bisschen anstrengen, um dieses Ziel überhaupt zu erreichen.

Für mich liegt das zum Teil daran, dass es Dinge sind, die nicht von mir kommen.

Woran liegt das? Ich kenne mich nicht wirklich selbst. Oder nur sehr oberflächlich. Denn es kostet Zeit und Kraft den Strom der Dinge von außen abzuschalten und dich zur Ruhe zu kommen. Erst wenn du wirklich zur Ruhe kommst, siehst du wirklich was in dir vorgeht.

Fragen stellen

Die Qualität deines Lebens ist ein direktes Spiegelbild der Qualität der Fragen, die du dir stellst.

Tony Robbins

Dann beginnen wir wichtige Dinge zu klären.

Was ist mir wirklich wichtig?

Wie sieht meine To-Do-Liste aus, wenn ich KIT-MAN darauf anwende?

Die Liste ist immer noch lang? Wie sieht meine To-Do-Liste aus, wenn ich KIT-MAN nochmal darauf anwende?

Immer noch mehr als drei Punkt auf deiner Liste? Wie sieht meine To-Do-Liste aus, wenn ich KIT-MAN noch radikaler darauf anwende?

Will ich für die verbleibenden Dinge wirklich meine Lebenszeit opfern? Sie ist dann unwiederbringlich verloren!

Wozu sage ich ja, obwohl es mir nicht gut tut? Du kennst das. Dann beschleicht dich dieses leise Gefühl, das etwas nicht in Ordnung ist. Du bist einfach nicht glücklich…

Wo tue ich Dinge nur, um etwas darzustellen oder anderen zu gefallen? Was tue ich (nicht) aus Furcht, was andere über mich denken? Die anderen haben ihre eigenen Probleme.

Wo halte ich mich zurück? Es liegt so viel in jedem von uns. Alle Antworten. Unglaubliches Potenzial.

Worauf will ich in 10 Jahren zurückblicken? Worauf wird mein zukünftiges Ich in 10 Jahren stolz sein?

Du hast etwas, dass einzigartig ist in dieser Welt. Niemand hatte es, niemand hat es und niemand wird es haben!

Wie will ich mich dauerhaft den größten Teil der Zeit fühlen? Das Leben ist nicht perfekt. Muss es auch nicht sein. Aber stell dir mal vor, wie es wäre wenn du 80% deiner Zeit mega-gute Laune hast, tanzen und die ganze Welt umarmen willst.

Es funktioniert. Ich habe es bei anderen gesehen. Und dann bei mir gemacht. Und klar kann man unterwegs mal vom Weg abkommen und unruhig werden. Aber du kannst immer wieder zu dir selbst zurück gehen.

Schrittweise gegen Aufschieberitis

Wenn du keine Zeit für die kleinen Dinge hast, wirst du auch keine Zeit für die großen Dinge haben.

Richard Branson

Die Antworten kommen meist nicht wie aus der Pistole geschossen. Viele Dinge sind leise und subtil.

Wenn du immer wieder zu dir selbst zurück kommst hast du eine gute Chance von der Dominanz der Logik und Analytik im modernen Leben zu entkoppeln. Sie sind weiß Gott nicht schlecht. Aber nur mit ihnen können wir eben kein vollständiges Leben führen.

Im Laufe der Zeit dringst du so vor in tiefere Ebenen. Dein Herz, deine Intuition, dein Bauchgefühl, deine Seele. Wie auch immer du es nennen willst.

Eine Mentorin sagte mal zu mir: Alle Antworten liegen bereits in dir. Ich muss mir also nur Ruhe und Zeit nehmen. Dann kommen die richtigen Dinge zur rechten Zeit zu mir.

Das ist so wertvoll. Spannende Dinge zeigen sich dann. In der Vorschau muss ich nicht den ganzen Weg kennen. Beim Marathon mache ich auch einfach den nächsten Schritt. Voller Vertrauen darauf, dass alles einen Sinn ergibt. Auch die schweren Phasen. Sind sie wirklich kompliziert? Oder Chancen? Sie lassen mich nämlich wachsen und formen meinen Charakter.

Wann kommst du ins Handeln?

Nimm es jetzt in die Hand. Kleine Schritte. Jeden Tag. Schon mit 12 Minuten am Morgen bist du dabei!

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